| 12.08.2006 |
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| Quelle: Kölner Stadtanzeiger, 12./13. 08. 2006 |
| Deutsche Filme beim Festival in Locarno Der Kölner Stefan Westerwelle zeigte seinen KHM-Diplomfilm. VON RÜDIGER SUCHSLAND Ein Mann und eine Frau, das ist immer noch das größte aller Kinothemen. Iain Dilthey, deutscher Regisseur schottischer Abstammung, hat ihm jetzt einem ganz besonderen Aspekt abgerungen: In seinem neuen Spielfilm „Gefangene", der gestern beim Filmfestival von Locarno Premiere hatte, erzählt er ein Kammerspiel der Zwanghaftigkeit und bleiernen Sehnsucht. Schon Visconti erzählte von der Liebe zweier Besessener. Dilthey führt, irgendwo in Deutschland, zwei ungleiche, fast verhungerte Seelen zusammen. Er sitzt im Knast, ihr Leben ist ein Gefängnis anderer Art - ohne Liebe, ohne Hoffnung, eintönig und isoliert lebt die Wissenschaftlerin Irene. Von ihrem Küchenfenster aus kann sie das städtische Gefängnis sehen. Eines Tages beginnt sie, einem der Häftlinge Briefe zu schreiben. Und dann steht er plötzlich in ihrer Wohnung. Ganz langsam nähern sich diese verhärteten Seelen einander an, tauen auf - und doch mündet ihre Begegnung in einen wüsten Gewaltakt. Wer dem wenig abgewinnen konnte, den tröstete immerhin das herausragende Spiel von Jule Böwe in der Hauptrolle. Andere deutsche Filme in Locarno, dem nach Venedig ältesten unter den bedeutenden Filmfestivals, handelten von Begegnungen zwischen den Generationen: „Der Mann von der Botschaft" vom georgischen Emigranten Dito Tsintsadse („Schussangst") widmete sich im Wettbewerb dem Verhältnis zwischen reichem Westen und wildem Osten und hat auch filmisch ein paar gute Ansätze. Getragen von der stoischen Intensität Burghart Klaußners und seiner jungen Partnerin Lika Martinova spielt der Film eine Weile gekonnt mit der Begegnung zweier Welten, dem Unverständnis beider Umgebungen und einem in der Luft liegenden Missbrauchsverdacht. Am Ende gewinnen allerdings die Klischees Oberhand, wie auch sonst der Wettbewerb in diesem Jahr größtenteils enttäuschte, so dass viele Nebenreihen auftrumpfen konnten: Viel Beifall auch bei der Auslandspresse bekam der Kölner Filmhochschüler Stefan Westerwelle für seinen an der KHM entstandenen Diplomfilm „So lange Du hier bist". Er erzählt von einem alten Mann und seiner Liebe zu einem Callboy. Fein beobachtet, voller Zärtlichkeit und ohne manch nahe liegenden Kitsch konzentriert sich der Film auf eine lakonische Charakterzeichnung. Ein vielversprechendes Debüt und eine ansprechende Leistung von Kamerafrau Bernadette Paasen. Mehr Leidenschaft war allerdings in „Verfolgt" von der in Deutschland geborenen Angelina Maccarone zu spüren: Maren Kroymann dreht den Geschlechterspieß einmal um und spielt eine 50-jährige Sozialarbeiterin, die ein Verhältnis mit ihrem 16-jährigen Schützling beginnt, das zunehmend sadomasochistische Züge bekommt. Frei von Voyeurismus zeigt auch dieser Film verletzliche, einsame Figuren - und sexuelle Passion. Beides sind wichtige, länger nicht gesehene Themen im deutschen Kino, denen sich die Regisseure mit Sensibilität annehmen. Die Liebe hat eben unendliche Varianten. |
