| 14.08.2006 |
| http://www.welt.de/feuilleton |
| Quelle: DIE WELT |
| Ein Goldener Leopard kommt nach Berlin! Autorin und Regisseurin Angelina Maccarone bekam ihn am Samstagabend zum Abschluss des 59. Internationalen Filmfestivals von Locarno verdientermaßen für das Seelendrama „Verfolgt". Der stilistisch wunderbar komponierte Schwarz-Weiß-Film mit einer großartigen Maren Kroymann in der Hauptrolle lief im Wettbewerb der Sektion „Cineasten der Gegenwart". Angelina Maccarone bietet kraftvolles, verstörendes, zeitkritisches, emotional bewegendes Kino. Die Jury dieser Sektion hat klug entschieden. Was sich nicht von der Jury des Hauptwettbewerbs sagen lässt. Sie übersah Iain Diltheys großartiges Kammerspiel „Gefangene". Stattdessen votierte sie für „Das Fräulein" (Schweiz) und degradierte ihren Goldenen Leoparden so zum Schmusekätzchen. Bis kurz vor Festivalende hatte eine Mitautorin des Films in der Jury gesessen, und verließ diese erst, nachdem in der lokalen Presse angesichts dieser Unmöglichkeit die Frage nach der Seriosität des Festivals gestellt worden war. Die Jury-Entscheidung für diesen belanglosen Gut-Menschen-Film riecht nach Kungelei! Freilich wurden die Wettbewerbe von unerheblichem Kunstgewerbe dominiert. Erfreulicherweise fiel der deutsche Film aus dem Rahmen. Folgerichtig gingen weitere Preise nach Deutschland: Burghart Klaußner, Hauptdarsteller des kontrovers diskutierten „Der Mann von der Botschaft" bekam die Auszeichnung als bester Schauspieler. Und im Rennen um die besten Erstlingsfilme bekam Debütant Stefan Westerwelle für sein sympathisches Kammerspiel „So lange Du da bist" eine besondere Erwähnung. Abgesehen vom Spezialpreis der Jury für „Half Nelson" (USA), ein packendes klischeefreies Sozialdrama um einen drogensüchtigen Lehrer, sind die übrigen Ehrungen allerlei kunstgewerblicher Nichtigkeiten kaum der Rede wert. Peter Claus |
