In diesen Wochen ist mit „Das Verlangen" ein bemerkenswerter deutscher Film mancherorts ins Kino gekommen. „Das Verlangen" hält in strenger Kühle den Zuschauer auf Distanz. Er endet in einer plötzlichen Gewalttat und erklärt nichts. Aber er packt. Iain Dilthey, Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg, erzählt von der dumpfstummen Ehe einer schwäbischen Pfarrersfrau, in deren Alltag und Allnacht zwischen Brotschmieren, Beten und Beischlafpflichten plötzlich die Liebe einbricht. Oder eher: ein Verlangen endlich nach Leben. Wie es aufbricht und wieder totgetreten wird, ist Gegenstand einer disziplinierten und faszinierenden Versuchsanordnung, die sich ihrer Künstlichkeit stets bewusst ist: „Das Verlangen" ist ein universelles Exempel aus der deutschen Herzlosigkeitsprovinz. Ein Armutszeugnis für unsere so metropolitane Kinolandschaft, dass man diesen kleinen, großen Film in Berliner Kinos noch nicht sehen kann.
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