| 13.05.2004 |
| Quelle: Stuttgarter Zeitung |
| Mit solchen Federn konnte sich lange keine deutsche Filmhochschule mehr schmücken. Eine Diplomarbeit von der Akademie für Kinonachwuchs in Ludwigsburg gewann vor zwei Jahren den Hauptpreis des Festivals in Locarno und verbuchte damit einen Erfolg, auf den die deutsche Spielfilmszene 16 zähe Jahre warten musste. Nun kommt "Das Verlangen" von Iain Dilthey geraume Zeit vor der Fernsehausstrahlung in die Kinos, zwar mit einer Hand voll Kopien nur, aber immerhin. Ergibt sich doch so die Gelegenheit, die erzählerische und optische Wuchtigkeit des Films auf Leinwand zu erleben. Wie schon in früheren Arbeiten - "Das Verlangen" markiert den Abschluss einer Trilogie - entwirft Dilthey eine Tragödie antiken Ausmaßes, ein Frauendrama über unverschuldetes Schuldigwerden und wählt zugleich eine Bildsprache, die sich antipodisch zum Stoff verhält, weil sie alles Dramatische durch ihren minimalistischen Ansatz in verfremdender Weise entdramatisiert: das vermeintlich Dramatische wird zum quälenden Normalfall im kleinbürgerlichen Alltagstrott herabgestuft. Als sei es das Normalste der Welt, erduldet hier die Pfarrersfrau Lena die Knechtschaft ihrer Ehe, und um ihrer öden Existenz wenigstens eine Spur von Perspektive abzuringen, hält sie es für legitim, einen Mörder zu decken. Was den Film von vielen anderen deutschen Produktionen unterscheidet, ist schlicht dies: er verfügt über ein klares Konzept für die Elemente, aus denen sich visuelles Erzählen zusammensetzt. |
