Stille Sehnsucht

13.05.2004
Quelle: Stuttgarter Nachrichten
Eigentlich ist dieser Film ein Krimi. Oder ein Lebensdrama. Oder ein Gefühl. Ein Gefühl der Stagnation, der lähmenden Stille und der Unausweichlichkeit, das leise vom Zuschauer Besitz nimmt. Denn das Kaff, in dem Lena lebt, könnte überall sein. Lena auch. Als Pfarrersfrau spielt sie Orgel in der Kirche und versorgt ihre tyrannische, bettlägerige Schwägerin. Stumm lässt sie Demütigungen über sich ergehen. Das Hier und Jetzt zählt. Jeder Tag ist wie der andere. Leblos, automatisch. Bis der Mechaniker Paul in ihr Leben tritt und ihr Verlangen erwacht. Lena ahnt, dass ihr Glück mit einem grausamen Geheimnis verbunden ist. Doch sie ist bereit, den Preis dafür zu zahlen.
Der Film ist der letzte Teil der "Trilogie der Sehnsucht", die der Ludwigsburger Filmakademie-Absolvent Iain Dilthey mit der Drehbuchautorin Silke Parzich gedreht hat. Zugleich ist es sein Abschluss-Film, der 2002 in Locarno mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet wurde. Zu Recht, denn er schwimmt gegen die Strömung. Da ist keine Bilderflut, nur wenig Dialog, noch weniger Musik und gar nichts Stilisiertes. Stringent und konsequent gibt Dilthey der Stille Raum und setzt so, schmerzhaft und befreiend zugleich, einen Kontrapunkt zu zeitgenössischen Seh- und Hörgewohnheiten.