Klimawelten - Kap Verden bis Hudson Bay

Wie Menschen schon jetzt die Folgen des Klimawandels erleben. Ein Dokumentarfilm von Tink Diaz.

Wie gehen Menschen mit den Folgen der Erderwärmung um, die schon jetzt stark betroffen sind? Zwei junge Ethnologinnen werden die konkreten sozialen und kulturellen Folgen des Klimawandels in ausgewählten Küstenorten erforschen: in der Sub-Arktis und auf den Kap Verdischen Inseln. Zusammen mit ihnen werden wir nicht nur „Extremwetter“ erleben und eine Erklärung suchen, sondern auch in Lebenswelten eintauchen, die akut bedroht sind.

Naturwissenschaftliche Studien über den Klimawandel sind so zahlreich wie wichtig. Doch die menschlichen Umgangsweisen mit diesem globalen Phänomen wurden bislang noch kaum untersucht. Wir wissen viel über die Auswirkungen der Erderwärmung auf Flora und Fauna und besonders natürlich auf die Eisbären in der Arktis... Doch über die alltäglichen Reaktionen der Menschen, die in derselben Klimazone leben, gibt es kaum wissenschaftliche Erkenntnisse. Der Film nimmt eine globale Perspektive ein: Regionen in Afrika, Asien und der Arktis – die am wenigsten zum weltweiten CO2-Ausstoß beigetragen, aber am meisten unter dessen Folgen zu leiden haben: Wie genau wirkt sich die Erwärmung von Luft und Wasser auf den Alltag dieser Menschen aus? Wenn die letzten Brunnen in Afrika versiegen, wie denken, fühlen, handeln die Menschen? Wie wird die Zunahme von verheerenden Stürmen z.B. an der westafrikanischen Küste von der betroffenen Bevölkerung gedeutet? Als Strafe Gottes? Oder – ähnlich wie bei uns in der westlichen Welt – als „Unwetter“, das es immer schon mal gegeben hat? Und das man getrost wieder vergessen kann, wenn die Schäden beseitigt sind?

Auf all diese Fragen gibt es bislang keine schlüssigen Antworten. Doch eines ist klar: Die gesellschaftlichen Auswirkungen, die von Menschen entwickelten Handlungs-muster angesichts der Erderwärmung, lassen sich nicht aus Modellen der physikalischen Beschaffenheit der Erdoberfläche ableiten. Ohne kultur- und sozial-wissenschaftliche Erkenntnisse über die Palette der menschlichen Reaktionsweisen kann es keine globalen Strategien gegen den Klimawandel geben.

Zwei junge Ethnologinnen aus Deutschland und Österreich wollen jetzt dazu beitragen, die Fragen über die „menschlichen“ Folgen des Klimawandels zu beantworten. Sie gehören zum Forschungsteam „Klimawelten“, das die kulturellen und sozialen Folgen der Erderwärmung ermitteln will. Der geplante Film wird sie bei ihrer Feldforschung begleiten. Dabei liegt der Schwerpunkt weniger auf der wissenschaftlichen Aufarbeitung, sondern vor allem auf der Geschichte der jungen Forscher, die in einer schwierigen Situation am anderen Ende der Welt auf Menschen stoßen, deren gesamte Lebensweise bedroht ist.

So werden wir zusammen mit einer Ethnologin erleben, wie sich die Kultur und Überlebensbedingungen der Inuit- und Cree-Bewohner einer kleinen Ortschaft im subarktischen Kanada drastisch verändern. Eine zweite Forscherin wollen wir auf den Kap Verden vor West-Afrika dabei beobachten, wie sie fast 2 Jahre lang die Lebenswelt der von Dürren, Sandstürmen und Sturmfluten massiv bedrohten Bevölkerung teilt.
Regie:
Tink Diaz
Drehbuch:
Tink Diaz
Schnitt:
Anja Theismann
Kamera:
Thomas Bergmann, Andy Lehmann
Ton:
Serge Denis Lhospice, Max Pellnitz
Producer:
Kerstin Krieg
Herstellungsleitung:
Cornelia Kellers
Produzent:
Gerd Haag
Redaktion:
Kathrin Brinkmann, ZDF/arte
Länge:
62 Min.
Produktionsjahr:
2012
Klimawelten

Termin
17.07.2012, 21:00 h, Erstausstrahlung TV, ARTE